Eingebürgerte Hanseatin mit russischen Wurzeln. Geboren in Moskau und zu Hause auf der ganzen Welt. Egal ob Spanien, Frankreich oder Italien, ob in der Ukraine, Australien, Russland oder in Brasilien. Dort gewann Xenia Beliayeva im Bundesstaat Mato Grosso dank ihrer enthusiastischen Fangemeinde zwei Mal hintereinander den Factoide Award für die beste Live Performance und ist darüber hinaus schon längst im Members Club der jetsettenden DJ- / Produzentenelite angekommen. Doch wo kommt sie her? Wo sind die Wurzeln dieser aussergewöhnlichen Künstlerin, die auf der Bühne sowohl druckvolle DJ-Sets gern auch mit live eingestreuten Vocals, als auch komplette Stage Shows liefern kann? Shows, bei denen ihr langjähriger Partner André Winter sich um die technischen Aspekte kümmert, während sie selbst mit Mikrofon, Energie und dem speziellen Xenbel-Style bewaffnet ihre Songs performed - auf Englisch und Deutsch. Xenia Beliayeva ist wie ein mehrsprachiger Schmetterling dessen Message überall auf dem Globus verstanden wird, selbst wenn die Bedeutung der einzelnen Worte in Songs wie „Momentan“ oder „Dumpfe Träume“ vielleicht aufgrund bestehender Sprachbarrieren zuweilen unklar bleibt.

 

Machen wir den Spung zurück ins Jahr 1997. Nach einigen Jahren als DJ im sogenannten Kunstbetrieb, auf Vernissagen und Ausstellungen, findet sich Xenia Beliayeva zur Eröffnung des Karlsruher Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) als Opener für Kraftwerk, die legendären Urväter der elektronischen Musik, und den französischen Techno-Pionier Laurent Garnier auf einer der ganz grossen Bühnen wieder.

Diese Erfahrung wird zum Kickstart für eine vielschichtige Karriere im Musikbusiness, in der sie zunächst als Freelancer für Labels wie Playhouse, Klang Elektronik und Mute Records arbeitet, während sie parallel dazu in Zusammenarbeit mit Formic Distribution ihr eigenes Label Lone Records launcht. Schliesslich landet Xenia Beliayeva im Hause Ladomat, wo sie über lange Jahre eine Position irgendwo zwischen „Mädchen Für Alles“ und A&R Department besetzt, Netzwerke knüpft und das Label auch nach Aussen vertritt.

 

„She's come a long way, baby...“ , um es mit den leicht veränderten Worten von Fatboy Slim zu sagen und tatsächlich ist viel passiert seit diesen frühen Tagen. Seitdem veröffentlichte Xenia Beliayeva 12“es auf Labels wie Datapunk, Different, Dancefloor Killers, Systematic Recordings sowohl Solo als auch in verschiedenen Kollaborationen, während ihr Debutalbum „Ever Since“ in 2010 auf Shitkatapult erschien.

All das spricht eine mehr als deutliche Sprache, ebenso wie ihre von vielen geschätzte Arbeit als Videokünstlerin und natürlich ihre Remixe, unter anderem für Acts wie das zwischen Techno und EBM angesiedelte Projekt Fixmer/McCarthy oder das durchaus Pop-affine Glashaus-Stück „Licht“ oder der amerikanische DJ Pierre, mit dem Xenia Beliayeva nicht nur Ländergrenzen überschreitet sondern auch – genau wie mit ihren Eigenproduktionen – Szenegrenzen sprengt.

 

Längst ist Xenia Beliayeva mit ihrer Musik, ihren DJ-Sets und auch ihrer Radioshow „Radio Xenbel“ dem reinen Elektronikzirkus entwachsen und wird auch jenseits der dunklen Clubmauern von Synth- und NonMainstream-Pop und sogar in der sonst sehr verschlossenen Gothic-Szene wahrgenommen. Und genau wie ihr Debut „Ever Since“ wird auch Xenia Beliayeva's zweites Künstleralbum „Riss“ - benannt übrigens nach dem allerersten Layout für den ersten Track des Longplayers - nicht nur bei Anhängern und Liebhabern der elektronischen Clubkultur für Aufmerksamkeit sorgen, steht ein „Riss“ in der Wand doch auch immer für die Verbindung zwischen zwei Dingen oder wie hier: zwischen den Szenen.